Haiti – irgendwann!

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20 Mai 2010

Dieser Beitrag wurde am 20. Mai 2010 um 7:03 pm erstellt und befindet sich in der Haiti. Du kannst dieses Posting als RSS 2.0 Feed abonnieren. Du kannst einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von deiner Website.

Irgendwie weckte das Wort „Haiti“ lange Zeit Gedanken an ein Paradies: trotz der Realität der Moderne. Auch sie konnte die Magie des Wortes und der damit verbundenen Träume nie komplett vertreiben. Haiti klang lange Zeit nach Wärme, nach Meer und Palmen. Dennoch hatte die Moderne dem ohnehin auch in der Vergangenheit immer wieder einmal gebeutelten Inselstaat in den Grossen Antillen arg zusetzt. Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre, als Land mit hoher Arbeitslosigkeit, in dem etwa 65 Prozent aller Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben. Bei einigen Menschen ist Haiti zum Sinnbild der Schattenseiten der Karibik geworden. Und am zwölften Januar 2010 rückte die Situation des Landes dann endgültig in den Mittelpunkt von Nachrichtensendern in aller Welt: An jenem Tag erschütterte das grosse Erdbeben das Land. 

Das grosse Beben
Schätzungsweise starben beim Beben 250.000 bis 300.000 Menschen. Die Situation der Überlebenden, die bereits vor dem Beben meistens nicht rosig war, verschlimmerte sich teils drastisch. Mit Spenden versuchte und versucht die Welt zu helfen, doch bis auf den heutigen Tag geht es vielen Menschen auf Haiti schlecht. Touristen gibt es derzeit kaum im Inselstaat. Sie wären auch fehl am Platz. Dennoch hoffen einige Menschen, dass Touristen wiederkommen: irgendwann. Besonders die Hafenstadt Jacmel besass vor dem grossen Beben das Potenzial, den Tourismus in Haiti anzukurbeln. Sie zog bereits in den 60er, 70er Jahren Touristen aus den USA und aus Europa an. Irgendwann möchte die Stadt wieder dorthin kommen, wo sie vor dem Beben war und darüber hinaus. Wann genau irgendwann ist, weiss wohl niemand. 

Haiti – wie es sein kann
„Help for Haiti. Learn what you can do“ steht als erstes auf der Website des haitianischen Tourismusbüros. Auch hier ist klar, dass an Tourismuswerbung für das Land derzeit nicht im Traum zu denken ist. Dennoch beliess man die Bilder auf der Website, die ein schönes Haiti zeigen, dessen Schönheit zur Einkommensquelle werden könnte… irgendwann! Man sieht Boote im Sonnenuntergang. Traumstrände und türkisfarbenes Wasser. Wälder, Palmen, Wasserfälle. Und da ist er wieder, jener Zauber, der sich mit dem Namen verbindet. Nüchtern betrachtet ist Haiti ein knapp 28.000 Quadratkilometer grosses Land mit dem etwa 2.860 Meter hohen Morne de la Selle als höchstem Berg. Die Hauptstadt ist Port-au-Prince. Ihr wurde lange Zeit eine erhöhte Kriminalitätsrate nachgesagt. Das deutsche Auswärtige Amt schreibt aber auch nach dem Beben noch, dass beim Kampf gegen die Bandenkriminalität in der Stadt deutliche Erfolge erzielt worden seien und dass die Kriminalität nicht höher als in anderen Metropolen sei. Eine Reisewarnung gibt es natürlich trotzdem. Zudem existiert der Hinweis, dass aufgrund der angespannten Versorgungslage gewaltsame Übergriffe nicht ausgeschlossen werden können. Die Zukunft mag die Situation verbessern: irgendwann. 

Haiti hat…
Haiti hat sein Schloss Sans-Souci, zumindest Ruinen davon, die noch immer imposant wirken. Erbaut wurde es von König Henry Christophe dem Ersten der sich einst selbst ernannt hatte. Die Festung sollte dem Schutz vor den Franzosen dienen. Sie waren einst die Kolonialmacht Haitis. Im 19. Jahrhundert wurde Schloss Sans-Souci zerstört: nicht durch die Franzosen… sondern durch ein Erdbeben. Haiti hat daneben Labadee. Hier landeten einst Kreuzfahrtschiffe des Unternehmens Royal Caribbean Cruises. Die Touristen blieben weitgehend abgeschottet. Heute dient Labadee als Stützpunkt, um Hilfsgüter nach Haiti zu transportieren. Vielleicht kommen auch wieder Kreuzfahrtschiffe… irgendwann. Haiti hat Jacmel. Vor dem Beben gab es hier reizvolle Kolonialstilbauten. Hier wurde karibischer Karneval gefeiert, den die Haitianer „Kanaval“ oder „Mardi Gras“ nennen. Er gehört zur haitianischen Kultur wie der Voodoo-Glaube, der — teils in das Christentum auf Haiti eingeflossen — noch immer seine Bedeutung für den Inselstaat hat. Manch einer sagt, Haitis Kultur wäre mit keiner in den Nachbarstaaten zu vergleichen. Mit Städten wie Jacmel verbanden sich haitianische Hoffnungen. Solche Hoffnungen keimen auch nach dem Beben zaghaft wieder auf. Noch sehr zaghaft. 

Lichtblicke?
Selbst wenn die unmittelbaren Schäden des Erdbebens irgendwann beseitigt wären, bliebe wohl die Armut auf Haiti. Der Tourismus könnte die Lage verbessern, aber wohl nur als Variante, von der die Einwohner Haitis mindestens ebenso profitieren wie ausländische Investoren. Noch ist das Land weit entfernt von alledem. Noch gilt es, die grösste Not zu lindern. In Port-au-Prince steht das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude des “Hotels Oloffson”, das in seinen Anfangstagen als Residenz einer reichen Familie gedient hatte. Es überlebte Putsche und Kämpfe und es überlebte auch das Erdbeben im Januar 2010. Es ist nur ein Hotel. Die Onlineausgabe der deutschen Zeitung „Welt“ sah es aufgrund seiner scheinbaren Unzerstörbarkeit aber auch als ein Lichtblick für Haiti. Vielleicht wird alles gut: irgendwann?

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