Morgan, Bonny, Blackbeard – die (echten) Piraten der Karibik

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24 Apr 2010

Dieser Beitrag wurde am 24. April 2010 um 9:04 am erstellt und befindet sich in der Allgemein über die Karibik. Du kannst dieses Posting als RSS 2.0 Feed abonnieren. Du kannst einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von deiner Website.

Port Royal auf Jamaika hat heute etwa 2.000 Einwohner und ist ein Fischer-Städtchen. Sieht man einmal davon ab, dass karibische Fischer-Städtchen durchaus ihren Reiz haben, gibt es heute nicht mehr viel über Port Royal zu berichten. Das ist einmal völlig anders gewesen. Port Royal war ein Zentrum karibischer Freibeuter und in der grossen Zeit der Piraterie und des Freibeutertums eine reiche Stadt mit eher üblem Ruf. Zeitweise floss hier mehr Geld als in London. Geblieben ist nach einem Erdbeben und einem Tsunami im Jahr 1692 allerdings nicht viel von der reichen Stadt. Nicht zuletzt durch die „Fluch der Karibik“ – Filmreihe sind die Piraten der Karibik heute wieder in aller Munde. Ganz so wie im Film war das Piratenleben allerdings damals nicht. Es war (meistens) anders… und manchmal erstaunlich demokratisch. 

Freibeuter, Bukaniere und Piraten
Freibeuter arbeiteten im Auftrag von Regierungen und beraubten Schiffe anderer Regierungen. Bukaniere segelten dagegen meistens mit den Schiffen von Gouverneuren der Karibik, während Piraten in der Regel eigene Schiffe nutzten und auf eigene Faust agierten. Der Übergang zwischen Freibeutern, Bukanieren und Piraten war allerdings fliessend. Manche starteten etwa als Freibeuter und nutzten Kriege der europäischen Staaten gegeneinander, um in der Karibik für die einen und gegen die anderen zu kämpfen. Und sie führten ihre Piratenzüge auch fort, als die Kriege der Europäer beendet wurden. Ein grosser Name aus der Zeit der Freibeuterei ist Sir Francis Morgan, dessen Grab noch heute auf einem verwahrlosten Friedhof von Port Royal liegt. Lange Zeit herrschte Krieg in der Karibik, den allerdings niemand dort offiziell erklärt hatte. Erklärtes Ziel der geduldeten oder beauftragten Freibeuter und Bukaniere waren vor allem die Spanier mit ihren Schiffen und Stützpunkten. So griff etwa Sir Henry Morgan im Jahr 1670 Panama-City an, von der aus spanische Schiffe voller Gold nach Europa reisten. Zu den Bukanieren der damaligen Zeit gehörte auch der für seine Grausamkeit bekannte Francois Lolonois. Nach einer Flucht vor den Spaniern auf die Insel Tortuga startete sein Leben als Freibeuter, das 1669 durch die Hand von Indios endete. Tortuga war wie Port Royal ein Zentrum der Piraterie: insbesondere in den Jahren 1640 bis etwa 1670. Die Piratencrew dort bestand vor allem aus Franzosen, Engländern und einigen Niederländern. 

Piraten-Namen
Es gibt eine Reihe weiterer Namen karibischer Piraten, die bis heute bekannt geblieben sind. Unter ihnen sind auch die Namen von zwei Frauen: Anne Bonny und Mary Read. Sie waren weibliche Piraten des 18. Jahrhunderts in der Karibik und gemeinsam mit den Piraten Jack Rackham und Charles Vane auf Raubzug. Jack Rackhams Schiff wurde 1720 von Piratenjägern geentert und Jack Rackham wurde gehängt, Anne Bonny und Mary Read wurden aufgrund von Schwangerschaft vorläufig verschont. Mary Read starb in der Gefangenschaft an Fieber, während über Anne Bonnys Schicksal nichts bekannt ist. Weitere bekannte Piraten der Karibik waren Edward Teach, genannt Blackbeard, und Bartholomew Roberts. 

Das Leben der Karibik-Piraten
Bei Piraten herrschte häufig so etwas wie eine Art von Demokratie. Kapitäne und Offiziere wurden häufig gewählt; ihre Rechte waren keineswegs unbegrenzt, ihre Privilegien oftmals eher bescheiden. Bisweilen wurden Kapitäne auch abgesetzt. Eine Sonderstellung in der Mini-Gesellschaft eines Piratenschiffs hatte der Maat als eine Art Vertreter der Mannschaft inne. Das alles klingt eigentlich wie ein gutes Leben als Pirat. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass es ein Leben voller Kampf und Töten war. Und es war ein Leben mit strengen Regeln und teils harten Strafen. So soll etwa Bartholomew Roberts verschiedene Regeln aufgestellt haben, deren Übertretung die Todesstrafe nach sich zog. Sie sollte etwa verhängt werden, wenn Mitglieder der Crew um Geld würfelten oder Karten spielten, wenn sie an Bord stritten oder sich prügelten oder unerlaubt auf Landgang gingen. Mag manch ein Film das Leben der karibischen Piraten auch verklären, Tod war etwas Allgegenwärtiges in ihrer Existenz. Die Zeit der Piraterie in der Karibik währte nicht ewig. Es waren Menschen wie Sir Woodes Rogers, die die Piraterie in der Karibik etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts abklingen liessen. Rogers war selbst Freibeuter im Auftrag der Engländer. Ab 1718 hatte er das Amt eines Gouverneurs der Bahamas inne und wurde zum Piratenjäger. 

Die Spuren in der heutigen Karibik
Spuren der Piraten finden sich noch heute. Wer etwa den Spuren des Films „Fluch der Karibik“ folgt, gelangt irgendwann ins bereits eingangs erwähnte Port Royal. In der St. Peter’s Church existieren noch heute vier Teile von Henry Morgans Schatz: eine Silberschale, ein Kelch, ein Krug sowie ein Teller. Ein grösserer Schatz – der des Piraten Arthur Catt – soll sich noch immer auf dem Mount Alvernia (Cat Island, Bahamas) befinden. Aber das kann auch nur ein Gerücht sein. Vielleicht finden Sie es heraus? Wie auch immer: Die echten Piraten der Karibik unterschieden sich meistens deutlich von den Filmpiraten wie Jonny Depp im Fluch der Karibik. Ganz von der Wirklichkeit abgehoben sind die Piraten aus den Filmen dann aber vielleicht doch nicht? Das Bild von Seeräubern mit Holzbeinen und Augenklappen soll aus Tortuga stammen. Vielleicht hat es dort irgendwann tatsächlich ein wenig so ausgesehen wie im Film? Wer weiss.

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